Kalibrierung: Infos und Fakten

Was ist Kalibrieren?

Kalibrieren ist ein Messprozess der zum Ziel hat, die Zuverlässigkeit und Reproduzierbarkeit der Messwerte eines Messgeräts festzustellen und die Abweichung zu dokumentieren. Dabei wird auch die für das Messgerät angegebene Toleranz berücksichtigt um die maximale Abweichung des angezeigten Wertes vom tatsächlichen Wert zu verdeutlichen. Bei der Kalibrierung wird nicht in das Messgerät eingegriffen, um es zu verändern.

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen:

An folgendem Beispiel zeigen wir den Ablauf eines Kalibrierauftrages in unserem Haus: Sie haben ein Digitalmultimeter (z. B. ein HP 34401A) und wollen es kalibrieren lassen. Dafür benötigen Sie ein Angebot. Am schnellsten geht das mit dem Anfrageassistenten – oder Sie nehmen Kontakt mit uns auf. Sie erhalten umgehend ein schriftliches Angebot mit Angabe der Dienstleistung und des Kalibrierpreises. Jetzt können Sie das Gerät zu uns schicken. Gegen Aufpreis können wir es auch durch unseren Partner UPS bei Ihnen abholen lassen.

Legen Sie jeder Sendung unbedingt einen Lieferschein und/oder eine Bestellung bei. In dem Dokument sollte ein Bezug zu unserem Angebot (unsere Angebots­nummer) ersichtlich sein. Vermerken Sie auch, wenn Sie eine Auftragsbestätigung wünschen oder wenn Besonderheiten zu beachten sind, wie z. B.:

  • keinen Aufkleber am Gerät anbringen
  • Kalibrierintervall <> 12 Monate
  • Eine gewünschte Auftragsbestätigung wird von uns nach Geräteeingang erstellt und an Sie verschickt. Ihr Gerät wird dann in unserem Labor temperiert und nach einer Funktions­kon­trolle kalibriert.

Grundsätzlich bringen wir an allen kalibrierten Geräten einen Aufkleber mit Angabe der Kalibrierscheinnummer, des Kalibrierdatums und bei nicht akkreditierten Kalibrierungen das Rekalibrierdatum an. Liegt keine Kundenvorgabe vor, empfiehlt die Esenwein GmbH eine Rekalibrierung nach 12 Monaten. Je nach Anwendungsfall kann ein hiervon abweichender Intervall sinnvoll sein. Für die Festlegung einer angemessenen Frist ist immer der Anwender verantwortlich!

Justage (optional)

Stellt sich während der Kalibrierung heraus, dass Ihr Gerät außerhalb der zulässigen Toleranz liegt, wird es von uns wenn möglich justiert. Dabei werden die Messwerte vor und nach der Justage im Kalibrierschein protokolliert.

Reparaturservice (optional)

Stellen wir einen Defekt fest, den wir beheben können, erhalten Sie von uns einen Kostenvoranschlag zur Genehmigung. Bei Gerätefehlern, die wir nicht beheben können oder die nicht mehr rentabel zu beseitigen sind, wird dies im Kalibrierschein entsprechend vermerkt.

Ist das Messgerät fertig, wird es von uns verpackt und geht per UPS oder Spedition wieder zurück zu Ihnen.

Der Sendung liegt, neben dem Kalibrierschein, ein Lieferschein und in der Regel die Rechnung bei, die Sie bequem per Über­weisung begleichen.

Natürlich sparen Sie Geld, wenn Sie den Prüfzyklus erhöhen und oftmals ist es auch sinnvoll dies zu tun. Die Herstellerempfehlungen (meist 12 Monate) gehen von täglicher Nutzung unter ”normalen” Bedingungen aus. Auch bei mechanischen Prüfmitteln ist ein Prüfintervall von 12 Monaten oft über­trieben. Im Gegenzug stoßen wir auf Kunden, die ihren Messmitteln Intervalle von 4 oder 5 Jahren geben. Bitte bedenken Sie, dass Sie bei einem so langen Prüfintervall die Forderungen der ISO 9000 nicht mehr erfüllen können. Stellen wir bei einer Kalibrierung nämlich fest, dass Ihr Messgerät ”außer Toleranz” liegt, müssen Sie die Messungen seit der letzten Kalibrierung bewerten. Dies dürfte nach 5 Jahren nicht mehr möglich sein, da Sie nicht mehr nachvollziehen können, was Sie überhaupt gemessen haben. Außerdem ist Ihr Produktzyklus wahrscheinlich kürzer als 5 Jahre.

Haben Sie Fälle, bei denen Sie ein Prüfintervall von größer als 3 Jahren für sinnvoll halten, empfehlen wir Ihnen grundsätzlich über die Kalibrierung dieses Messmittels nachzudenken: Ist das Messgerät so unwichtig, dass ein ”außer Toleranz” keine Rolle spielt, oder sind Messabweichungen für den Anwender sofort offensichtlich? Sparen Sie sich in diesen Fällen die Kalibrierung ganz – sie ist sinnlos. Bei elektrischen Messmitteln helfen wir Ihnen gerne bei der Intervalldynamisierung. Wir liefern Ihnen auf Wunsch mit jedem Kalibrierschein eine grafische Auswertung der Messwerte. Dadurch fällt es Ihnen leichter einen Trend zu erkennen. Somit können Sie den Prüfzyklus schritt­weise anpassen. Folgendes ist allerdings zu beachten: Mit der Betrachtung der Drift kann nur die Alterung eines Gerätes abgeschätzt werden.

Die Alterung wird aber auch durch die äußeren Umgebungs- und Einsatzbedingungen beeinflusst. Dieses Verfahren ist also nur dann zuverlässig, wenn konstante äußere Bedingungen vorliegen. Bei mechanischen Messmitteln funktioniert dieses Prinzip im Übrigen schlecht, da Sie mit diesem Verfahren vor allem die Alterung eines Gerätes abschätzen können. Bei mechanischen Messmitteln gibt es aber keine Alterung, sondern nur Verschleiß. Auf jeden Fall sollten Sie Ihre Prüfintervalle technisch recht­fertigen können. Einfach alles auf 3 Jahre zu setzen, kann bei einem Audit zum Boomerang werden.

Eine Kalibrierung ohne Protokoll, also ohne die Angabe von Messwerten, ist wertlos. In den meisten Fällen dient ein Kalibrierschein dazu, die Konformität des Kalibriergegenstandes mit bestimmten Spezifikationen (Hersteller, normativ oder sonstiges) zu bestätigen. Diese Bestätigung kann sich aber nur auf die gemessenen Werte beziehen, für nicht gemessene Werte ist der Status unbekannt. Ohne diese Werte zu kennen, wissen Sie nicht an welchen Punkten Ihr Gerät kalibriert wurde. Sie wissen außerdem nicht, wie weit Ihr Gerät das zulässige Toleranzband ausnutzt und können somit keine Abschätzung über das spezifische Risiko (siehe JCGM 106:2012) treffen. Wurde ein Gerät justiert und die Messwerte vor Justage sind nicht zugänglich, können Sie nicht wissen, ob Ihre Messungen akzeptabel waren oder nicht.

Eine einfache mathematische Formel zur Berechnung des idealen Prüfzyklus anhand von Kalibrierwerten gibt es leider nicht – da gibt es zu viele Parameter, auf die wir keinen Einfluss haben. Sollten Sie anderer Meinung sein? Lassen Sie es mich wissen!

E-Mail schreiben

Es ist wichtig für Sie zu wissen, wie gut Ihre Messwerte die Realität widerspiegeln, um den Qualitätsstandards Ihrer Branche, den Kundenanforderungen und / oder den internen Anforderungen zu entsprechen.

  • • Wenn Genauigkeit für Ihre Anforderungen wichtig ist, kalibrieren Sie Ihr Messgerät.
  • • Wenn nicht, warum messen Sie überhaupt?

Das Kalibrierlabor vergleicht Ihr Messgerät mit einem Referenzwert, d.h. einem lückenlos rückverfolgbaren Standard.

Dieser Standard ist eine Maßverkörperung, die auf den sieben SI-Basiseinheiten plus einer Anzahl abgeleiteter Einheiten basiert. SI ist das Internationale Einheitensystem (SI, abgekürzt vom französischen Système International (d'unités)).

Die sieben SI-Basiseinheiten: Meter (m), Kilogramm (kg), Sekunde (s), Ampere (A), Kelvin (K), Mol (mol) und Candela (cd)

Für die nationale Umsetzung des SI sind meist die metrologischen Staatsinstitute zuständig. In Deutschland ist dies die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig.

Ein akkreditiertes Labor wird von einer nationalen Akkreditierungsstelle unabhängig bewertet, um internationale Kriterien hinsichtlich seines Qualitätssystems und seiner technischen Kompetenz zu bestätigen.

Die Akkreditierung wird in einem bestimmten Messbereich, dem „Umfang der Akkreditierung“, nach der internationalen Norm DIN EN ISO/IEC 17025 ausgesprochen.

Akkreditierte Kalibrierungen erfüllen somit die Anforderungen der DIN EN ISO/IEC 17025. Und zwar so, wie sie von den jeweiligen nationale Akkreditierungsstellen ausgelegt werden.

Alle relevanten nationalen Akkreditierungsstellen sind Mitglied der „International Laboratory Accreditation Cooperation“ (ILAC). Zentrales Ziel dabei ist die gegenseitige Anerkennung der Dienstleistungen und Ergebnisse akkreditierter Stellen. Somit werden akkreditierte Kalibrierscheine weltweit anerkannt.

Dies kann viele Gründe haben:

  • • Eine Akkreditierung ist teuer. Kalibrierlabore werden für bestimmte Messgrößen nur dann eine Akkreditierung anstreben, wenn ein entsprechender Markt vorhanden ist. Das ist auch der Grund, warum einige Messgrößen nur von Messgeräteherstellern abgedeckt werden. Kunden nehmen bei Geräteherstellern oft üppige Kalibrierpreise klaglos hin.
  • • Es gibt Messgrößen, für die aus unterschiedlichen Gründen eine Akkreditierung nur sehr schwer oder gar nicht erhalten werden kann.
  • • In vielen Bereichen sind akkreditierte Kalibriermöglichkeiten für statische Messgrößen vorhanden, nicht aber für die selbe Messgröße dynamisch.
  • • In einigen Bereichen fehlt schlicht die Möglichkeit einer direkten messtechnischen Rückführung oder ein anerkannter Weg einer indirekten Rückführung.

Die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig hat eine Initiative gestartet, um messtechnische Rückführungen für möglichst alle Bereiche anbieten zu können.

Viele Messgerätehersteller sehen keine Möglichkeiten mehr vor, dass Dritte eine Justage vornehmen können. Gerne wird hierbei die „Verbrauchersicherheit“ als Begründung ins Feld geführt.

Früher war das anders: Viele Hersteller lieferten Schaltpläne oder Servicemanuals zu Ihren Messgeräten. Dabei ist eine Justage heute oft deutlich einfacher als früher, da viele Messgeräte nur durch ihre Software justiert werden können.

Im Gegensatz zur Automobilbranche, wo die EU-Kommission 2010 eingegriffen hat, um den Wettbewerb auf dem Reparaturmarkt fair zu halten und ein Monopol der Fahrzeughersteller zu verhindern, gibt es im Bereich der Messtechnik kein politisches Interesse.

Die meisten Messgerätehersteller reparieren nicht mehr auf Bauteilebene.
Der Trend dazu hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten nicht nur im Bereich der Messtechnik durchgesetzt. Sie kennen das sicher auch, z.B. bei TV-Geräten oder Ihrem Auto.
Begründet wird dies oft mit „Verbrauchersicherheit“.
Durch den Austausch einer ganzen Baugruppe lässt sich mit schlechter ausgebildetem Personal erheblich mehr Geld verdienen.
Wenn man an die Resourcenverschwendung denkt, eine zweifelhafte Entwicklung.
(Wird übrigens auch von Unternehmen praktiziert, die über ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem verfügen und uns als Lieferanten dazu auffordern, es ihnen gleich zu tun)

Generell stellen wir fest, dass die Gerätehardware in den letzten 20 Jahren nicht gerade besser geworden ist. Die Gerätequalität steigt jedoch durch den Einsatz von Software. Diese Software sorgt für bessere Genauigkeiten aber nicht für lange Haltbarkeit der Geräte.
Ausserdem sorgt auch die Verwendung herkömmlicher Betriebssystemsoftware in Messgeräten für eine Begrenzung der Lebensdauer. Oder haben Sie noch einen PC mit Windows 2000 am laufen?

Die gute Nachricht: Es gibt auch Ausnahmen. Man muss sie nur finden.

DIN EN ISO/IEC 17025 ist ein anerkannter internationaler Qualitätsstandard. Neben der Bereitstellung von messtechnischem Vertrauen für Ihren eigenen Betrieb bedeutet die Verwendung eines akkreditierten Kalibrierlabors auch ein Qualitätssiegel für Ihr Unternehmen und Ihre Produkte, wenn Ihre Kunden wissen, dass Ihre Testgeräte von einem unabhängigen, qualifizierten Kalibrierlabor gründlich kalibriert wurden.

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